Mein erster Flug

Eingefügt von admin   Apr 21, 2010 in Asienreise 2009/2010 |

“Good morning everybody! Here is Captain Pippo speaking. I welcome you to our flight from Kuala Lumpur to Chennai. We are cruising at an altitude of . . .”

Ja, ja jetzt kann ich schon Witze machen über meinen ersten Flug. Aber auf einer Höhe von 10’000 m war mir damals nicht nach Lachen zu Mute. Wie es dazu kam, will ich euch nun kurz erzählen.

In Malaysia ist alles was Hunde betrifft etwas kompliziert. Hunde sind eigentlich nirgends erlaubt, das merkte ich erstmals im Hotel. Wegen der grossen Hitze wollte ich natürlich ins klimatisierte Zimmer. Um das Schild „NO PET“ brauchte ich mich nicht zu kümmern, da ich ja eigentlich kein Englisch spreche. Als meine Rudelführerin am nächsten Morgen bei der Direktion des Hotels fragte, ob es nicht ausnahmsweise möglich sei, mich im Hotelzimmer unterzubringen, traf den Herrn Direktor fast der Schlag. Es sei absolut unmöglich einen Hund im Hotel zu halten. Moslemische Gäste würden das Hotel nie mehr besuchen, wenn sie einen Hund im Hotel sehen würden. Es kam sogar soweit, dass ich regelrecht aus dem Hotel geschmuggelt werden musste. Ich musste mich in eine TV-Kartonbox setzen und wurde mit dem Gepäckwägeli vom Zimmer aus dem Hotel gerollt – wie erniedrigend für mich, ich kann ja noch sehr gut selber gehen. Die nächsten zwei Wochen, wohnte ich also im Camper. Hier war es zwar warm, aber ich war wenigstens willkommen.

Ihr Zweibeiner braucht für einen Flug nur ein Ticket, einen Pass und allenfalls ein Visum. Ich hingegen benötigte – und daraus erkennt man wie wichtig ich bin – folgende Dokumente:

  • meinen Pass (Heimtierausweis mit Foto und Impfungen)
  • eine Exportlizenz aus Malaysia
  • ein Gesundheitszeugnis (nach einer Untersuchung beim Government Veterinary Officer of Malaysia)
  • eine Bestätigung vom Government Veterinary Officer, dass ich unter keiner der folgenden Krankheiten leide: rabies, canine distemper, parvo virus infection, leptospirosis, Infectious Canine Hepatitis/Aujeszky’s disease, Scabies and Leishmaniosis etc.
  • Ein NOC-Formular (Non Objection Certificate for import of one dog into India). Dieses Dokument wurde vom Quarantine Officer in Chennai, Indien per E-Mail übermittelt und enthält die Mitteilung, dass ich nach der Ankunft für 30 Tage in die Quarantäne müsse.

Mehrmals hörte ich, wie meine Rudelführer fluchten, als sie über den Papierkram sprachen, der für meine Weiterreise notwendig war.

Ein paar Tage vor der Abreise erhielt ich eine tolle Hundebox. Ich fühlte mich darin sofort wohl, da ich auf meiner roten Decke liegen konnte. Die letzten zwei Tage verbrachte ich im Dog-Hotel, weil unser Auto bereits auf dem Schiff war und ich ja bekanntlich im normalen Hotel nicht untergebracht werden durfte. Ich war der einzige Gast im Dog-Hotel und hatte ein ganzes Zimmer für mich allein. Meine Familie kam mich besuchen und ging mit mir Gassi.

Am Dienstag, 9. Februar 2010, 04.00 Uhr ging’s endlich los. Mit dem Spezialtaxi (das normale Taxi transportiert keine Hunde) fuhren wir zum Flughafen. Für mich war es völlig unbegreiflich und sehr erniedrigend, dass ich als übergewichtiges Gepäck einchecken musste. Ich bin weder übergewichtig noch ein Gepäckstück!!!

In meiner Box wurde ich mit dem Gepäckwagen zum Flugzeug gerollt. Hier wurde mir erstmals klar, dass etwas wirklich Unheimliches auf mich zu kommen würde. Und so war es dann auch. Mit ohrenbetäubendem Lärm und Vibrationen, die sogar mein Schlottern übertrafen, wurde ich unerwartet in eine Ecke meiner Flugbox gedrückt und plötzlich ging es wie in einem Lift aufwärts. Ich legte mich ganz flach auf den Boden meiner Kiste. Was sollte ich anderes tun?

Nach einer unheimlich langen Zeit fing es auf einmal wieder an stark zu rumpeln und zu dröhnen. Ich wurde mit aller Kraft wieder in eine Ecke meiner Box geworfen und auf einmal war alles still. Uhfff – das Schlimmste war geschafft!

Als ich durch die Gitterstäbe der Box meine Familie in der Ankunftshalle erblickte, konnte ich mich wieder etwas beruhigen. Allerdings freuten sie sich nicht wirklich überschwänglich mich gesund und einigermassen munter zu sehen. Was war denn los?
Ich glaube es hing damit zusammen, dass noch die Zollformalitäten erledigt werden mussten. Der Zöllner fragte nach dem NOC-Dokument, behändigte dieses und meinte dann, für ihn sei alles erledigt. Nun ging plötzlich alles ganz schnell. Ich wurde in rasantem Tempo aus der Flughalle zum Taxistand gerollt. Dabei fiel mir auf der anderen Seite der Halle eine schwarze Labrador-Hündin auf, die von zwei Männern mit einem Chip-Lesegerät in der Hand begleitet wurde. Ob es sich wohl um die Quarantäne-Offiziere handelte, die wir nach unserer Ankunft hätten aufsuchen müssen?
Auf jeden Fall wurde ich leider noch etwas weiter weg von der Hündin gebracht und hinter einer Bank versteckt bis ich ins Taxi verladen wurde.

In einer Wohnung, die meine Familie für die Zeit bis zur Ankunft unseres Autos mietete, konnte ich endlich die Box verlassen. Mir war es natürlich viel lieber hier mit meinem Rudel zu sein, als irgendwo in der Quarantäne.

Heute bin ich natürlich auf meine Flugerfahrung sehr stolz. Trotzdem bin ich lieber mit meinem kleinen fahrenden Haus unterwegs.

Mit einem Wuff, Wuff, Wuff verabschiedet sich

Captain Pippo

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